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KI-Tools können den Arbeitsalltag deutlich erleichtern. Sie helfen bei der Erstellung von Inhalten, unterstützen Teams bei der Kundenkommunikation und übernehmen wiederkehrende Aufgaben in Marketing und Verwaltung. Gleichzeitig entsteht schnell eine Abhängigkeit: Daten, Prompts, Workflows und wichtige Ergebnisse liegen in einem System, das nicht dem eigenen Unternehmen gehört.

Was passiert, wenn der Anbieter Preise erhöht, Funktionen verändert oder den Dienst einstellt? Was passiert, wenn ein Tool nicht mehr zu den eigenen Anforderungen passt? Genau hier setzt eine Exit-Strategie an.

Eine Exit-Strategie beschreibt, wie ein Unternehmen einen KI-Dienst geordnet verlassen kann. Dabei geht es nicht darum, bereits heute jedes Tool zu kündigen. Es geht darum, handlungsfähig zu bleiben und einen Wechsel nicht erst dann zu planen, wenn der Zeitdruck bereits groß ist.

Drei Punkte sind dabei besonders wichtig:

  • Datenexport klären
  • Alternativen prüfen
  • Übergangsplan schreiben

Warum eine Exit-Strategie bei KI-Tools wichtig ist

Viele Unternehmen testen KI-Tools zunächst unkompliziert. Ein Account ist schnell eingerichtet, ein Team beginnt mit ersten Aufgaben und nach kurzer Zeit entstehen wertvolle Inhalte und Prozesse. Prompts werden verbessert, Vorlagen entwickelt, Wissenssammlungen aufgebaut und Automationen eingerichtet.

Mit der Zeit wird aus einem Test ein fester Bestandteil der täglichen Arbeit. Genau dann wird ein späterer Wechsel schwieriger. Nicht immer lassen sich alle Daten vollständig exportieren. Manche Einstellungen sind nur innerhalb des jeweiligen Tools verfügbar. Workflows können von bestimmten Schnittstellen abhängen. Auch das Wissen über die Nutzung liegt oft nicht dokumentiert vor, sondern in den Köpfen einzelner Mitarbeitender.

Eine Exit-Strategie schafft Übersicht. Sie zeigt, welche Bestandteile eines KI-Tools für das Unternehmen wichtig sind, welche Abhängigkeiten bestehen und welche Schritte im Notfall notwendig wären.

Dabei betrifft die Strategie nicht nur Texte oder Dateien. Auch Metadaten, Zugänge, Rollen, Systemanweisungen, Prompt-Sammlungen, Wissensdatenbanken, Automationen und Verbindungen zu anderen Anwendungen sollten berücksichtigt werden. Empfehlungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik betonen deshalb, dass sowohl Inhalte als auch Metadaten exportiert und in geeigneten Formaten dokumentiert werden sollten.[2]

Datenexport klären

Der erste Schritt besteht darin, den tatsächlichen Datenbestand zu erfassen. Fragen Sie sich zunächst, was im jeweiligen KI-Tool gespeichert oder erzeugt wird.

Dazu können gehören:

  • Dokumente und Textentwürfe
  • Bilder, Audio- und Videodateien
  • Chatverläufe und wichtige Ergebnisse
  • Prompts und Systemanweisungen
  • Vorlagen und individuelle Einstellungen
  • Wissensdatenbanken und hochgeladene Dokumente
  • Trainings- oder Feinabstimmungsdaten
  • Automationen und Workflows
  • Nutzungsdaten und Metadaten

Anschließend sollte geprüft werden, ob sich diese Daten vollständig exportieren lassen. Ein Anbieter kann zwar mit einem Export werben, doch entscheidend ist, was tatsächlich enthalten ist. Werden nur die fertigen Dateien exportiert oder auch die zugehörigen Einstellungen? Lassen sich Workflows weiterverwenden? Bleiben Verknüpfungen und Berechtigungen erhalten?

Besonders wichtig sind offene und langfristig nutzbare Formate. Ein Export sollte nicht nur möglich sein, sondern auch außerhalb des ursprünglichen Tools verwendet werden können. Ein Text als bearbeitbare Datei ist in vielen Fällen wertvoller als eine Darstellung, die nur innerhalb einer Plattform geöffnet werden kann. Bei Workflows kann ein strukturierter Export entscheidend sein. Bei Wissensdatenbanken müssen zusätzlich Quellen, Struktur und Aktualisierungsstand gesichert werden.

Auch die Vertragsbedingungen verdienen Aufmerksamkeit. Prüfen Sie, welche Exportmöglichkeiten vorgesehen sind, welche Fristen gelten und ob zusätzliche Kosten entstehen. Klären Sie außerdem, wie lange Daten nach einer Kündigung noch zugänglich sind und wann sie endgültig gelöscht werden.

Ein regelmäßiger Test ist sinnvoll. Ein theoretischer Export ist kein Beweis dafür, dass ein Wechsel reibungslos funktioniert. Erst ein Test zeigt, ob die Dateien vollständig, lesbar und in einem anderen System nutzbar sind.

Alternativen prüfen

Eine Exit-Strategie braucht mindestens eine realistische Alternative. Diese muss nicht in jeder Hinsicht identisch mit dem bisherigen Tool. Entscheidend ist, dass die wichtigsten Aufgaben weiterhin erledigt werden können.

Bei der Prüfung möglicher Alternativen sollten Unternehmen nicht nur auf den Funktionsumfang achten. Wichtige Fragen sind:

  • Welche Aufgaben soll das Tool übernehmen?
  • Welche Daten werden verarbeitet?
  • Wo werden die Daten gespeichert?
  • Welche Schnittstellen werden benötigt?
  • Wie einfach lassen sich Prompts, Vorlagen und Workflows übertragen?
  • Welche Kosten entstehen bei der Umstellung?
  • Wie gut kann das Team mit der Alternative arbeiten?
  • Welche Unterstützung bietet der Anbieter beim Wechsel?

Auch der Umgang mit Unternehmenswissen spielt eine zentrale Rolle. Wenn wichtige Abläufe ausschließlich in einem KI-System gespeichert sind, kann ein Anbieterwechsel zu einem erheblichen Wissensverlust führen. Deshalb sollten zentrale Prompts, Anleitungen und Prozessbeschreibungen zusätzlich in einer eigenen Dokumentation gepflegt werden.

Bei KI-Agenten und Automationen ist besonders auf Abhängigkeiten zu achten. Ein System kann beispielsweise mit einem CRM, einer Datenbank, einem Newsletter-Dienst oder einem Social-Media-Kanal verbunden sein. Die Alternative muss nicht nur die KI-Funktion ersetzen. Sie muss auch in die bestehende Prozesslandschaft passen.

Ein Vergleich mehrerer Optionen schafft Klarheit. Denkbar sind ein anderer Anbieter, eine zweite Lösung für kritische Aufgaben oder eine Rückführung einzelner Prozesse in eigene Systeme. Nicht jede Anwendung muss vollständig ersetzt werden. Oft reicht es, die wichtigsten Prozesse unabhängig vom bisherigen Anbieter betreiben zu können.

Übergangsplan schreiben

Der dritte Schritt ist ein konkreter Übergangsplan. Er beschreibt, wie der Wechsel ablaufen soll und wer dafür verantwortlich ist. Ein solcher Plan muss kein umfangreiches Projektbuch sein. Wichtig ist, dass er verständlich und praktisch nutzbar bleibt.

Ein guter Übergangsplan beantwortet mindestens diese Fragen:

  • Was löst den Wechsel aus?
  • Wer entscheidet über den Start?
  • Welche Daten und Prozesse sind betroffen?
  • Welche Alternative wird genutzt?
  • Wer übernimmt die einzelnen Aufgaben?
  • Wie werden Daten exportiert und geprüft?
  • Wie lange dauert die Übergangsphase?
  • Welche Systeme müssen angepasst werden?
  • Wie wird der neue Prozess getestet?
  • Wann kann das alte Tool abgeschaltet werden?
  • Was passiert, wenn der Wechsel nicht wie geplant funktioniert?

Als Auslöser kommen verschiedene Situationen infrage. Dazu gehören eine deutliche Preiserhöhung, eine Verschlechterung der Leistung, nicht erfüllte Sicherheitsanforderungen, ein geänderter Datenschutzrahmen oder die Einstellung einer wichtigen Funktion. Auch eine strategische Entscheidung kann einen Wechsel auslösen, etwa wenn ein Unternehmen seine KI-Landschaft vereinheitlichen möchte.

Der Übergang sollte möglichst nicht als harter Schnitt geplant werden. Ein begrenzter Parallelbetrieb bietet die Möglichkeit, Ergebnisse zu vergleichen und Fehler frühzeitig zu erkennen. Während dieser Phase kann das Team testen, ob die Alternative die gewünschten Inhalte, Abläufe und Qualitätsstandards erfüllt.

Ein wichtiger Punkt ist die Prüfung der exportierten Daten. Sind alle Dateien vorhanden? Lassen sie sich öffnen? Stimmen Mengen und Versionen? Funktionieren Verknüpfungen? Wurden vertrauliche Informationen korrekt übertragen? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, sollte die endgültige Abschaltung erfolgen.

Verantwortung und Dokumentation

Eine Exit-Strategie funktioniert nur, wenn Zuständigkeiten klar geregelt sind. Für jedes wichtige KI-Tool sollte bekannt sein, wer den Dienst fachlich betreut, wer für Daten und Sicherheit verantwortlich ist und wer im Fall eines Wechsels die Koordination übernimmt.

Dokumentieren Sie außerdem die wichtigsten Einstellungen und Abläufe außerhalb des Tools. Dazu gehören beispielsweise:

  • Zweck und Einsatzbereich
  • Verantwortliche Personen
  • Verarbeitete Daten
  • Verbundene Systeme
  • Wichtige Prompts und Vorlagen
  • Exportverfahren
  • Alternative Anbieter
  • Testkriterien
  • Lösch- und Abschaltprozesse

Diese Dokumentation macht einen Wechsel nicht nur einfacher. Sie hilft auch im laufenden Betrieb. Neue Mitarbeitende können schneller eingearbeitet werden, Prozesse werden transparenter und Verbesserungen lassen sich gezielter umsetzen.

Besonders bei sensiblen oder kritischen Anwendungen sollten Unternehmen zusätzlich rechtliche und organisatorische Anforderungen berücksichtigen. Bei Hochrisiko-KI-Systemen können Änderungen am System oder an dessen Zweck neue Verantwortlichkeiten auslösen. Der EU AI Act sieht in bestimmten Fällen vor, dass ein Unternehmen durch wesentliche Änderungen selbst zum Anbieter des Systems werden kann.[1] Deshalb sollte bei einem Wechsel geprüft werden, ob sich dadurch neue Pflichten ergeben.

Klein anfangen, regelmäßig testen

Eine Exit-Strategie muss nicht für alle KI-Tools gleichzeitig entwickelt werden. Sinnvoll ist ein schrittweises Vorgehen. Beginnen Sie mit den Anwendungen, die für den Betrieb besonders wichtig sind oder besonders viele Daten enthalten.

Erstellen Sie zunächst eine einfache Übersicht. Bewerten Sie jedes Tool nach Bedeutung, Datenmenge, Abhängigkeit und Wechselaufwand. Danach können Sie für die wichtigsten Anwendungen den Export testen, Alternativen vergleichen und einen Übergangsplan erstellen.

Planen Sie außerdem regelmäßige Überprüfungen ein. Anbieter verändern Funktionen, Preise und Vertragsbedingungen. Auch die eigenen Prozesse entwickeln sich weiter. Eine Strategie, die heute passt, kann in einem Jahr unvollständig sein.

Ein jährlicher Test des Datenexports und der wichtigsten Wiederanlaufprozesse schafft Sicherheit. Bei besonders wichtigen Anwendungen kann ein kürzerer Prüfzyklus sinnvoll sein.

Fazit

Eine Exit-Strategie bei KI-Tools ist kein Zeichen von Misstrauen. Sie ist ein Zeichen professioneller Planung. Unternehmen behalten damit die Kontrolle über ihre Daten, ihr Wissen und ihre Arbeitsabläufe.

Klären Sie zuerst, welche Daten und Einstellungen exportiert werden können. Prüfen Sie anschließend realistische Alternativen und vergleichen Sie nicht nur Funktionen, sondern auch Schnittstellen, Kosten und Übertragbarkeit. Schreiben Sie danach einen einfachen Übergangsplan mit klaren Zuständigkeiten und testen Sie ihn in der Praxis.

KI soll Unternehmen unabhängiger, effizienter und kreativer machen. Das gelingt am besten, wenn wichtige Prozesse nicht unbemerkt von einem einzigen Anbieter abhängig werden. Wer früh vorsorgt, kann neue Lösungen mit mehr Ruhe prüfen und notwendige Veränderungen aktiv gestalten.